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Lipide in der Pferdeernährung

4. September, 19:00 - 21:30

TWI Professional

Kaum ein Nährstoff wird in der Pferdefütterung so widersprüchlich verhandelt wie Fett. Auf der einen Seite die Behauptung, Pferde könnten Fett ohnehin nicht richtig verdauen – sie hätten ja nicht einmal eine Gallenblase. Auf der anderen Seite ein Regal voller Öle, die Fellglanz, Gelenkgesundheit und Leistungssteigerung zugleich versprechen. Dazwischen der Pferdebesitzer, der wissen will, ob jetzt ein Schuss Leinöl ins Futter gehört, damit das Pferd das ß-Carotin aus der Möhre überhaupt verwerten kann. Direkt gefolgt vom Mythos, Pferde würden Fett ausschwitzen bis hin zu der Werbeaussage, dass Pferde nur Öle aus Ölsaaten überhaupt verdauen könnten.

Diese zweistündige Vorlesung liefert das physiologische Fundament, um diese Fragen begründet zu beantworten. Wir folgen dem Fettmolekül vom Trog bis zur ATP-Bildung in der Muskelzelle und leiten aus jedem Teilschritt ab, was er für die Beratung bedeutet.

Die Inhalte

Grundlagen und Nomenklatur. Kettenlänge, Sättigungsgrad, Omega-Systematik, Kurzschreibweise. Die Ordnungskriterien, ohne die man Studienangaben nicht sauber lesen kann.

Fett im natürlichen Futter.
Raufutter ist fettarm, aber nicht fettfrei. Wir rechnen die tatsächliche Aufnahme über Heu durch, betrachten das Fettsäuremuster von Weidegras gegenüber Heu und klären, warum eine Ölzulage trotz hoher Grundaufnahme überhaupt wirkt.

Verdauung und Resorption.
Emulgierung ohne Gallenblase, enzymatische Spaltung, Mizellenbildung, Resynthese, Transport über die Lymphe. Dazu die Verdauungskapazität: belastbare Obergrenzen, Adaptationszeiträume und der Kot als Frühwarnsystem.

Transport im Blut und klinische Brücke.
Lipoproteinklassen, Freisetzung an der Zielzelle, freie Fettsäuren. Daraus die zentrale Sicherheitsinformation der Vorlesung: Pathogenese und Risikoprofil der Hyperlipämie, mit eigenem Abschnitt zu Eseln und zur Frage, warum aggressive Energierestriktion bei Risikotieren kontraindiziert ist.

Energetische Verwertung.
Lipolyse, Aktivierung im Zytosol, CPT1 als Schaltstelle, Beta-Oxidation. Mittelkettige Fettsäuren als Sonderweg. Kofaktoren und ihre realistische Einordnung.

Fettadaptation.

Was sich in mehreren Wochen tatsächlich verändert – und was nicht. Datenlage zur Leistungsverbesserung, Anwendung bei PSSM1 und PSSM2 samt Zielkonflikt bei leichtfuttrigen Pferden, und die Praxisregel zur Umstellung vor dem Wettkampf, die am häufigsten verletzt wird.

Essenzielle Fettsäuren.
Die beiden Stoffwechselwege, die Umwandlungsrate von Alpha-Linolensäure zu EPA und DHA, und warum Omega-6 nicht die Rolle des Gegenspielers spielt, die ihm zugeschrieben wird.

Evidenz nach Indikation.
Atemwege, EMS und Insulindysregulation, Bewegungsapparat, Zucht und Fohlenentwicklung. Nicht die Frage „wirkt Omega-3?”, sondern: wobei, wie gut belegt, mit welcher Einschränkung. Einschließlich der Lesekompetenz, die man dafür braucht – etwa der Unterscheidung zwischen Verbesserung gegenüber dem Ausgangswert und Unterschied zur Kontrollgruppe.

Fettquellen und Praxis.
Pflanzenöle und marine Quellen im Vergleich, vier Auswahlkriterien, Kontraindikationen, Orientierungsmengen, Vitamin-E-Absicherung und Monitoring.

Zielgruppe und Niveau

Tierärzte, Tierheilpraktiker, Fütterungsberater und Pferdebesitzer mit fachlichem Vorwissen. Biochemische Grundkenntnisse sind hilfreich, werden aber im Verlauf eingeordnet.

Der Vortrag arbeitet durchgängig mit Primärliteratur und benennt die Qualität der Evidenz für jede Indikation offen. Wo Daten aus Humanstudien auf das Pferd extrapoliert werden, wird das kenntlich gemacht. Diagnose und Therapieführung bleiben durchgehend beim behandelnden Tierarzt – die Abgrenzung der eigenen Zuständigkeit ist Teil des Themas.

Fachfortbildung auf EQR/DQR-Niveau 6

Details

  • Datum: 4. September
  • Zeit:
    19:00 - 21:30