https://homoeopathiede.de/

7 Tipps zur richtigen Pferdefütterung von unserer Dozentin Dr. Svenja Thiede

 

Es gibt eine unüberschaubare Vielfalt an Pferdetypen: große, kleine, runde und schmale. Manche haben viel Pelz, andere Pferde sind gut bemuskelt. Das eine hat lange Beine, sein Kumpel in der Herde hat weniger Distanz zwischen Bauch und Boden. Insofern gibt es DIE pauschalen Fütterungsregeln immer nur unter dem Vorbehalt, das jeweilige Pferd mit seinen individuellen Bedürfnissen im Auge zu behalten. Eines haben jedoch alle Pferde in Bezug auf die Fütterung gemeinsam: der Bau und damit die Funktion des Verdauungstraktes ist bei allen Pferden gleich. Und deswegen ist Tipp 1 auch der wichtigste in der Pferdefütterung.

 

Pferde brauchen viel Raufutter.

Der Verdauungstrakt will stets gut gefüllt sein – vor allem der riesige Blinddarm und der erste Teil des Dickdarms. Deshalb sind Pferde keine Mahlzeitenesser, sondern sie fressen in der Regel 12-16 Stunden am Tag. Ganz gemächlich und dabei in langsamem Schritt gehend.

 

Diese Tatsache ist für Hauspferde oft ein Problem: immer häufiger passt das Futter im Energiegehalt nicht zum Pferd – das Pferd wird fett. Will man dies vermeiden, muss man die Futterzeiten begrenzen – das Pferd wird unzufrieden, schlimmstenfalls sogar krank, wenn die zeitliche Begrenzung nicht zum Bedarf des Pferdes passt.

 

Pferde haben einen persönlichen Fresszyklus.

Pferde fressen am liebsten gemeinsam, aber trotzdem hat jedes Pferd einen persönlichen Fresszyklus. In einer gemischten Gruppe im Offenstall kann das ein Problem sein, wenn man die Fresszeiten begrenzen muss – dann damit gibt man einen bestimmten Fresszyklus vor, der das eine oder andere Pferd vielleicht unter Stress setzt, weil es mit dem Essen nie fertig wird, so wie es möchte. Deshalb sollte man die Pferde einer Gruppe sehr gut beobachten und sich notieren, wann und wie lange wer frisst, ruht, spielt. An diese Zeiten sollte man die Fütterungen möglichst gut anpassen. Ideal ist es, wenn man so viel Raufutter vorlegen kann, dass es für 24 Stunden reicht. Das funktioniert aber leider für ganz viele Pferde nicht.

Wenn man zweimal am Tag eine abgewogene Heumenge vorlegt, und jeweils wiegt (oder schätzt), wieviel davon übrig ist, kann man schnell erkennen, wieviel die Pferde tatsächlich fressen, und ob es vielleicht zu viel Energie ist. Dafür muss man natürlich wissen, wieviel Energie das Heu hat.

 

Das Heu sollte möglichst analysiert werden auf Energiegehalt, Zuckergehalt, Eiweißgehalt.

So erlebt man keine bösen Überraschungen, wie z.B. Pferde, die zu dünn oder zu fett aus dem Winter kommen (gerade bei den pelzigen Rassen sieht man das oft zu spät). Man kann dann die Heumenge, die man füttert, besser an die Pferde anpassen. Und man kann besser planen, ob man einen Teil des Heus durch energieärmeres Stroh ersetzt oder auch durch Holz. Eventuell helfen auch die Durchschnittswerte des jeweiligen Jahres der Region schon mal einen Schritt weiter.

 

Pferdegruppen sollten nach Möglichkeit homogen zusammengesetzt werden.

Das sagt sich so leicht, aber tatsächlich erleichtert es die Fütterung, wenn Pferde mit ähnlichen Bedarfen und Bedürfnissen zusammenwohnen. Ein kugeliges Shetlandpony und ein Warmblut im Sportbetrieb könnten fütterungstechnisch problematisch werden – im Zweifel wird das Shetty einfach zu fett und in der Folge schwer krank. Also ist ein „Beistellpony“ als Gesellschafter nicht immer eine gute Idee.

 

Pferde sollten während der Weidesaison auf die Weide kommen.

Wie viele Stunden gesunde Pferde auf die Weide können, ist wiederum vom Pferdetyp und von der Zusammensetzung der Weide abhängig. Leider sind viele unserer Weiden für die meisten Pferderassen zu gehaltvoll geworden. Man muss sich also genau ansehen, was für eine Weide man zur Verfügung hat (im Zweifel fragt man jemanden, der sich damit auskennt). Eine Weide ist fertig zum Anweiden, wenn die Gräser Ähren schieben – lieber etwas länger warten, als zu früh anweiden. Eine Weide ist abgefressen, wenn die Halme kürzer als 10 cm werden. Dann muss die Fläche sich erholen und kann vielleicht später im Jahr noch einmal beweidet werden. Im Winter verrottet das Gras natürlicherweise. Dabei helfen Schimmelpilze, die dann in großen Mengen in den Halmen sitzen. Der Boden sollte sich erholen können. Deshalb ist sollten die Weiden im Winter geschlossen werden – oder man hat so viel Fläche, dass man jedes Jahr ein anderes Stück im Winter zur Verfügung stellen kann. Dabei muss man aber Bedenken, dass das verrottende Gras eine besondere Herausforderung an die Mikroorganismen im Pferdedarm und an die Schleimhaut darstellt. Die Weidezeit sollte auf einige Stunden begrenzt sein.

 

Mineralfutter muss sein, aber Kraftfutter ist meistens nicht notwendig.

Leider kann man meistens mit dem Grundfutter den Bedarf an Mineralien und oft auch an einigen Vitaminen nicht decken. Deshalb braucht man ein Mineralfutter, das nach Möglichkeit zum Grundfutter passen sollte. Die kurweise Fütterung von Mineralfutter ergibt keinen Sinn. Die Inhaltsstoffe eines Mineralfutters werden täglich gebraucht, und für einige gibt es kein Depot im Körper des Pferdes.

 

 

Kraftfutter hingegen brauchen die meisten Pferde nicht. Es ist viel besser für die Gesundheit, wenn man bei mehr Leistung mehr Raufutter füttert. Natürlich gibt es im Sportbereich Spezialfälle, die ohne Kraftfutter nicht zurechtkommen.

 

Pferde brauchen frische Luft und viel Bewegung.

Boxenhaltung und eine Stunde „Arbeit“ in der Halle am Tag sind kein pferdegerechtes Leben – das kann die beste Fütterung auf Dauer nicht kompensieren. Pferde müssen sich viel bewegen können, ohne von Menschen dazu aufgefordert zu werden, und sie mögen es gerne, wenn sie weit gucken können. Wind und Wetter macht gesunden Pferden nichts aus.